Marzpeyma
Zu Nahid Bagheri-Goldschmieds Roman „Chawar“ auf Persisch
31 January 2014

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Zu Nahid Bagheri-Goldschmieds Roman „Chawar“ auf Persisch
Eine Rezension von Mahnaz Azarniya
Erschienen in der Zeitschrift „Zwischenwelt“  30. Jg.   Nr. 3-4  Dezember 2013
 
 
Wenn wir zurückblicken und die Stellung der Frauen in der literarischen Welt beobachten, kommen wir zum Ergebnis, dass die Frauen nun ein volles Jahrhundert lang aktiv waren. Ihre Fähigkeiten als Essayistinnen, Historikerinnen, Lyrikerinnen und Schriftstellerinnen haben sie bewiesen. "Virginia Woolf" meint, die Frauen wären zu spät in die literarische Szene eingetreten. Im Roman- Schreiben haben Frauen eine stärkere Präsenz.
   Die Frauen-Befreiungsbewegung hat manche Autorinnen dazu gebracht, eine Abhängigkeit von dieser Bewegung zu entwickeln. Die Autorinnen der "feministischen" Bewegung haben versucht, in der modernen zivilisierten Welt Gleichstellung zu erreichen. Möglicherweise werden solche Bewegungen gestoppt, weil die Frauen immer noch ihre Ängste und Anliegen unterdrücken und verheimlichen.
   Der einzige Weg, um diesen Problemen vorzubeugen, wäre der, dass Frauen in ihren Erzählungen über Wahrheiten schreiben, damit die jahrhundertlangen  Bemühungen der Schriftstellerinnen nicht erlahmen. 
   Nahid Bagheri-Goldschmieds Roman „Chawar“ ist vor kurzem wieder in Farsi erschienen.
Dieses Buch in Farsi wurde erstmalig im Jahr 1998 in Schweden veröffentlicht. Dann fügte die Lyrikerin ein neues Kapitel hinzu und übersetzte es in die deutsche Sprache. Chawar erschien im Jahr 2009 in deutscher Sprache, und zwar im Verlag der Theodor Kramer Gesellschaft in Wien.
   Nahid Bagheri-Goldschmied erhielt 2001 von der Exil-Community den Literaturpreis "Schreiben zwischen den Kulturen" und 2009 eine Buchprämie für die deutsche Übersetzung des Romans „Chawar“ vom Österreichischen Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur.
   Bagheri-Goldschmied ist Gründerin und Vorsitzende des Vereins „Iranischer Kunst-und Kulturvereins im Exil „Marzpeyma - Grenzgänger“. Sie ist Mitglied des Österreichischen P.E.N.-Clubs. Von ihr sind fünf Lyrik-Bände, darunter „In der Fremde“ (Persisch-Deutsch) erschienen.
   Der Roman Chawar in Farsi beginnt mit einem Vorwort der iranischen Autorin und Literaturwissenschaftlerin Pouran Farrokhzad, und endet mit einem Nachwort des österreichischen Lyrikers und Schriftstellers Hahnrei Wolf Käfer. Pouran Farrokhzad sagt über die Autorin von Chawar:
   „Nahid Bagheri- Goldaschmied …zeichnet in diesem Buch die Tage der Kindheit und Jugend des Mädchens Chawar unter Einfluss eines dominierenden, mächtigen Großvaters nach und entwirft interessante Szenen.
   In diesem Roman erzählt Chawar, die Hauptfigur dieses Buches, über ihren Großvater und dessen Vergewaltigung eines 12-jährigen Mädchens namens Mandegar, die erschreckende Gewalt eines Wolfes über ein junges Lamm. Damit schildert sie das Schwinden der Menschlichkeit. Sehr klug enthüllt die Autorin das wahre Gesicht solch eines Mannes. 
   Bevor der Roman Chawar zu einer Liebesgeschichte wird, schildert er eine geschlossene Gesellschaft, in der teilweise noch feudale Traditionen herrschen, die in ihren Praktiken durchaus ehrenwert sind.
   In diesem Buch stellt die Autorin offen Einstellungen, unmenschliche und unmoralische Verhaltensweisen von Menschen dar, über die bis jetzt nicht viel gesprochen worden ist.
   Sie betont Ereignisse, die beim Leser manchmal Wut und Entrüstung aufkommen lassen. Die weiblichen Charaktere werden in dieser Geschichte unterdrückt. Diese Unterdrückten erscheinen oft in der Rolle der zweiten oder dritten Ehefrau.
   Die Hauptfigur Chawar öffnet geschlossene Türen und macht das Leben von mehreren Generationen orientalischer Frauen sichtbar. In einer von Gewalt und permanentem Stress geprägten Atmosphäre sind Frauen in den ländlichen Gebieten Demütigungen, Machtmissbrauch und Diskriminierungen ausgesetzt. Chawar enttabuisiert in ihrer Erzählung die Gewalt an Frauen innerhalb familiärer Beziehungen. Das angespannte Leben orientalischer Frauen sowie das Verhalten fanatischer Männer, die einseitig und dominant agieren und mit religiösen Mitteln ihre Ziele und Befugnisse erreichen wollen, werden beschrieben. Ein herausragendes Beispiel dafür ist die Ausspeisung bei Khan Mohammad am  Ashura- Tag und deren Folgen.
   Anliegen der Autorin ist es, dass eine neue Generation moderner Frauen ihre verlorenen undverletzten Rechte durch ein Umdenken der Gesellschaft  wiedergewinnen und bewahren kann.
   Chawars außergewöhnliche und zugleich aussichtslose Liebe fällt der politischen Situation im Iran vor der Revolution 1979 zum Opfer. Chawar, die am Anfang der Geschichte noch wenig Verhältnis für die Welt und die Gesellschaft hat, verliebt sich ungewollt. Diese Liebe gipfelt im Tod ihres Geliebten.
   Leute wie Khan Mohammad sind in unterentwickelten Ländern in großer Zahl zu finden. Außer Vergewaltigung, Verstümmelung oder anderen Abscheulichkeiten setzen sie keine Taten. Sie töten unschuldige Frauen, und es gibt keine strafrechtliche Verfolgung dieser Verbrechen. Wer kann schließlich in orientalischen Gesellschaften gegen die Verletzung der Frauenrechte etwas tun?
   Neben der Lebensgeschichte von Chawar schildert Bagheri-Goldschmied die politische Situation in der iranischen Gesellschaft unter der Eder-Shah-Diktatur sowie nach der Revolution 1979 und kritisierte diese beiden Epochen.
 Zum Schluss erinnere ich an das Gedicht Sander Petöfis:
Freiheit und Liebe sind all mein Streben.
Für meine Liebe könnt ich mein Leben,
doch für die Freiheit die Liebe selbst geben.
 
 
 
Mahnaz Azarniya, iranische Lyrikerin und Malerin
 
 
 
Nahid Bagheri-Goldschmieds Übersetzung ihres Romans Chawar in Farsi ist 2013 im Verlag der Theodor Kramer Gesellschaft erschienen. (ISBN 978-3-901602-53-5; Euro 12,-).
 
 
 
 
 
  
 
 
 
 
 
 
 
 





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