Marzpeyma
Am Beethovengang
07 May 2016

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Am Beethovengang
Nahid Bagheri-Goldschmied

Aus dem Persischen, von der Lyrikerin selbst übersetzt
Aus der Anthologie „BUNTE STEINE“


Weingärten rechts und links,
zahlreich und vor der Reife die Weinstöcke.
Dazwischen der Duft der Erinnerung.

         Wie mein Schatten hinter mir: Beethoven.
         Er rennt dahin, ohne den emsigen Takt
         meiner Schritte zu hören.

Der Wind küsst dem Meister die Hände,
fordert ihn auf, ein paar unruhige Töne
auf den Saiten meiner Haare zu spielen:
         Meine Schicksalsmelodie.

Glatt wie eine Wasseroberfläche die Stadt vor mir.
Glatt die graue Wolkendecke über meinem Kopf.
Unter meinen Füßen der weiche Weg
voll verlockender Erde.

Zum Luftholen stehen bleiben.
Der Schatten verharrt mit mir.
Den Kopf neigen. Der Schatten ebenso.
Die vereinigten Finger betasten sanft die Erde,
fassen eine Handvoll, riechen daran:
sie duftet wie nach dem Regen.
Ich frage mich:
Riecht die Erde nicht wie in einem Gefängnishof?
Spielt der Wind schon die „Leonore-Ouvertüre“?

Der Schatten hört mich doch nicht,
aber auch er küsst die Erde, wie
zu meiner Bestätigung.
Zärtlich zupft der Wind in meinem Haar herum,
es scheint, als würde Beethoven
die Melodie meines Schicksals schon wieder
ganz anders Komponieren.






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