Marzpeyma
Glaube
25 February 2018

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Glaube
Siavash Kasrai
Aus der Anthologie “Die Liebe kennt alle Sprachen der Welt“ (persisch-deutsch)
Deutsche Übersetzungen von Nahid Bagheri-Goldschmied
Herausgeberin: Nahid Bagheri-Goldschmied
 
Mein Herz glaubt nicht an das Ende.
Nein, ich glaube nicht daran
Solange der Atem mein Gefährte ist  
denke ich nicht an den Tod
Kann sich die Blume am Ende verwandeln?
Wie kann so vieles, das keimt
keinen Frühling erleben
verwelken vor dem Erblühen
zu Staub zerfallen?
So viel habe ich mir erwartet
So groß ist die Ferne in mir
In meinen Gedanken erheben viele
bittend die Hände
Tag und Nacht
Was wird aus ihnen?
Wie kommt es, dass all die ungezählten
aus ihrer geliebten Heimat Vertriebenen
eines Tages lautlos
in Sackgassen verlöschen?
Soll ich glauben, das Mädchen, zum Glück bestimmt
ohne Erfüllung  auf den Dächern
ihrer Häuser und an den Fenstern
schwarz gekleidet auf ihre Geliebten warten?
 
Soll ich glauben, die Liebe wird ins Grab versenkt
ohne dass sie unbotmäßig wieder
            aus ihm empor blüht?
Soll ich glauben, das Herz poche eines
            Tages nicht mehr?
Fluch und Schande über diese Lüge
diese fruchterregende Lüge!
 
 Mein Gedicht baut eine Brücke zum Ufer der Zukunft
auf dass heitere Menschen über sie gehen
lebt fort in küssenden Lippen, kosenden Händen
und fliegt hoch als Zeichen einer Versöhnung
das nur die Liebenden erkennen
 
Die stete Erkundung von Lippen und Händen
hat dazu beigetragen
die Spur des Menschen
auf der Zeittafel zu verewigen.
 
Unsere verborgene Glut
wird zweifellos eines Tages
irgendwo aufgehen und Sonne werden.
 
 Solang du mich liebst, solang ich dich liebe
solang die Träne der Zuneigung über
unsere Wangen fließt
solang jemand da ist, der das Leben liebt
wird der Tod meinen Namen nicht löschen
            aus dem Gedächtnis unserer Zeit
 
Viele Blumen riss mir der Sturm aus der Hand
aber ich, der Bedrückte
halte die Blume der Erinnerung fest:
Den Tod eines mir Lieben werde ich nie anerkennen
 
Eines Tages stehe ich ohne Zweige und Äste
Eines Tages schließen sich meine Augen
Unvermeidlich ist dieses Entschlafen
Doch von dem, was ich wünschte, bleibt
            im Garten ein Duft
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 





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