Marzpeyma
Glaube
10 November 2020

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Glaube
Siavash Kasrai   

Aus der Anthologie: Die Liebe kennt alle Sprachen der Welt

Persische Lyrik der Gegenwart (Persisch/Deutsch)

Übersetzt und herausgegeben von Nahid Bagheri-Goldschmied in Zusammenarbeit mit Konstantin Kaiser

Verlag der Theodor Kramer Gesellschaft Wien


Mein Herz glaubt nicht an das Ende.
Nein, ich glaube nicht daran
Solange der Atem mein Gefährte ist
denke ich nicht an den Tod
Kann sich die Blume am Ende verwandeln?
Wie kann so vieles, das keimt
keinen Frühling erleben
verwelken vor dem Erblühen
zu Staub zerfallen?
So viel habe ich mir erwartet
So groß ist die Ferne in mir
In meinen Gedanken erheben viele
bittend die Hände
Tag und Nacht
Was wird aus ihnen?
Wie kommt es, dass all die ungezählten
aus ihrer geliebten Heimat Vertriebenen
eines Tages lautlos
in Sackgassen verlöschen?
Soll ich glauben, das Mädchen, zum Glück bestimmt
ohne Erfüllung auf den Dächern
ihrer Häuser und an den Fenstern
schwarz gekleidet auf ihre Geliebten warten?

Soll ich glauben, die Liebe wird ins Grab versenkt
ohne dass sie unbotmäßig wieder
aus ihm empor blüht?
Soll ich glauben, das Herz poche eines

Tages nicht mehr?
Fluch und Schande über diese Lüge
diese furchterregende Lüge!

Mein Gedicht baut eine Brücke zum Ufer der Zukunft

auf das heitere Menschen über sie gehen
lebt fort in küssenden Lippen, kosenden Händen

und fliegt hoch als Zeichen einer Versöhnung
das nur die Liebenden erkennen

Die stete Erkundung von Lippen und Händen
hat dazu beigetragen
die Spur des Menschen
auf der Zeittafel zu verewigen.

Unsere verborgene Glut
wird zweifellos eines Tages
irgendwo aufgehen und Sonne werden.

Solang du mich liebst, solang ich dich liebe
solang die Träne der Zuneigung über
unsere Wangen fließt
solang jemand da ist, der das Leben liebt
wird der Tod meinen Namen nicht löschen
aus dem Gedächtnis unserer Zeit

Viele Blumen riss mir der Sturm aus der Hand
aber ich, der Bedrückte
halte die Blume der Erinnerung fest:
Den Tod eines mir Lieben werde ich nie anerkennen

Eines Tages stehe ich ohne Zweige und Äste
Eines Tages schließen sich meine Augen
Unvermeidlich ist dieses Entschlafen
Doch von dem, was ich wünschte, bleibt
im Garten ein Duft






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